Viele Menschen wünschen sich im Alltag, die Dimension „Gott“ zu spüren – sich von Gott berühren zu lassen Beim Segenswunsch ist das so, oder auch bei Brot und Wein. „Sakramente“ nennen es die Theologen. Solche Worte, Gesten und Zeichen öffnen einen Raum, der über das Sichtbare hinausgeht.

Die Theologen der Reformation haben dafür eine prägnante Wendung gefunden: ubi et quando visum est Deo – das heißt: „wo und wann, entscheidet allein Gott“. Spirituelle Erfahrung ist ein Geschenk, das nicht in unserer Hand liegt. Und doch: Wir können Räume schaffen, in denen solche Erfahrungen möglich werden.

Spiritualität im Alltag erfahren

So ist es auch beim Beten: Im meditativen Gebet „arbeiten“ wir an diesen Voraussetzungen – den Körper spüren, ihn lockern und bewegen, und uns im Atmen für Gott öffnen. Der Körper ist der erste Ort der Begegnung mit Gott. Damit drücken wir aus, was wir alles tun, um von Gottes Anwesenheit etwas zu ahnen, zu spüren, zu verstehen. Zugleich ist es so, dass sich Spiritualität eben nicht herstellen lässt. Wir eröffnen Gelegenheiten, wenn wir zum Schweigen kommen, einen Gottesdienst besuchen oder das Gespräch mit anderen suchen – all dies unter dem Vorbehalt: ubi et quando visum est Deo

Kommunikation als Teil spiritueller Raumgestaltung

Auch Kommunikation gehört zur spirituellen Raumgestaltung. Sprache und Zuhören prägen Beziehungen. Hindernisse in Sprache und Haltung zu erkennen, innehalten zu üben und mehr wahrzunehmen als zu bewerten – all das eröffnet Räume. Denn wie wir sprechen – und wie wir zuhören – prägt unsere Beziehungen. Für das Zusammenspiel von Kommunikation und Spiritualität braucht es letztlich eine kommunikative und spirituelle Raumgestaltung und Menschen, die sich auf diesen Weg machen. Doch wie kann das konkret aussehen – und welche Rolle nehmen wir als sogenannte Raumgestalter:innen an?

Was macht ein:e Raumgestalter:in?

Ein:e Raumgestalter:in verändert keine Möbel oder Wände, sondern schafft Voraussetzungen, in denen sich Spiritualität und authentische Kommunikation entfalten können. Dazu gehören:

  • Gespräche anders zu führen und Reaktionsmuster zu erkennen
  • Unterbrechungen, Pausen und Stille bewusst zuzulassen
  • Wahrnehmung zu schärfen und mit anderen zu teilen

So entstehen Räume, in denen Verbindung möglich wird. Das Ergebnis lässt sich nicht erzwingen – doch die Bedingungen können gestaltet werden. Genau hier setzt die Weiterbildung an, die Interessierte Schritt für Schritt in diese Haltung und Praxis einführt.


Weiterbildung: Raumgestalter:in (spirituell und kommunikativ)

Die Weiterbildung „Raumgestalter:in (spirituell und kommunikativ)“ vermittelt die Grundlagen, um Spiritualität und Kommunikation bewusst miteinander zu verbinden. Sie basiert auf der Gewaltfreien Kommunikation nach Marshall Rosenberg.

Die Teilnehmenden lernen:

  • Hindernisse in Sprache und Haltung zu erkennen
  • Stille und Innehalten als Ressource zu nutzen
  • Wahrnehmung zu vertiefen und Resonanzräume zu eröffnen
  • Räume für Begegnung mit Gott, sich selbst und anderen zu gestalten

Termine 2026

Die Weiterbildung kombiniert sieben Online-Abende mit Präsenztagen im Evangelischen Kloster Schwanberg:

  • Online (montags, 18:00–19:30 Uhr): 14.09. / 28.09. / 12.10. / 26.10. / 09.11. / 23.11. / 07.12.2026
  • Kleingruppentermine: nach Vereinbarung
  • Präsenzkurs im Evangelischen Kloster Schwanberg: Mo, 14.12. bis Mi, 16.12.2026

Kosten: Kursgebühr 300 €; Unterkunft und Verpflegung 196 € (Teilnahme nur in Verbindung mit dem Präsenzkurs möglich).

Weitere Informationen und Anmeldung hier.

Autor

  • Markus Merz

    Beauftragter für Kommunikation und Spiritualität, Gemeindepfarrer in Bad Aibling, Supervisor (DGSv) und Trainer für Gewaltfreie Kommunikation (CNVC)