Wir stehen vor einer verschlossenen Gruppenraumtür. Zufällig läuft auf dem Hof jemand an uns vorbei. Ob wir zur Kindergruppe wollen und neu hier wären. Vermutlich sieht man meiner Tochter und mir unsere Unsicherheit etwas an. „Heute fällt die Gruppe leider aus.“ Enttäuschung und Frustration machen sich bei uns breit. Ich hatte online extra mehrmals nachgeschaut, ob der Termin wirklich heute war. Da stand sogar das Thema der heutigen Gruppenstunde, aber nichts davon, dass sie ausfällt. Den Stress, uns anzuziehen und zwanzig Minuten durch die Stadt zu hetzen, um pünktlich anzukommen, hätten wir uns sparen können. Ehrlich gesagt haben wir es seitdem irgendwie bisher nicht nochmal probiert, dort hinzufahren. Obwohl das Angebot der Kindergruppe wirklich toll klang und meine Tochter sich dort bestimmt wohlgefühlt hätte…

Aber ich kenn auch die andere Seite sehr gut: die Aufgaben auf dem Schreibtisch stapeln sich, während man langsam schon den Strickpulli aus dem Schrank holen kann und die ersten Blätter von den Bäumen wehen. Herbstzeit in der Arbeit mit Kindern und Jugendlichen ist der Neustart im Jahr. Die To-Do-Listen sind sowieso schon lang genug und trotzdem ist dieser Neustart eine Chance, die genutzt werden kann. Dabei ist es wichtig, dass Menschen überhaupt von Deinen Angeboten erfahren. Wenn sie dann kommen, sollen die Programme so vorbereitet sein, dass sie neben Raum für Begegnung auch inhaltlich tragen.

Hier neun Tipps, wie es Dir gelingen kann, dass Leute nicht nur zu Deinen Angeboten kommen, sondern sich auch wohlfühlen. Dabei musst Du nicht alles selbst erfüllen: nimm Dein ganzes Team in den Blick oder überlege, wer vielleicht auch ehrenamtlich neu einsteigen könnte. Vielleicht sind die Tipps auch konkrete Aufgabenpakete, für die Du gezielt jemanden anfragen kannst. Wichtig ist aber bei all den Aufgaben und Ideen, dass Du dich selbst und deine eigene Kraft gut im Blick hast. Wie dir das gelingen kann, liest du in unserm letzten Blogbeitrag. 

Digital unterwegs

  1. Beziehung entsteht durch Präsenz. Was in der Gruppenstunde ganz klar ist, gilt auch fürs Digitale: Nur wenn Du regelmäßig dort bist, wo Deine Zielgruppe ist, kannst Du eine Beziehung aufbauen. Sei auf den entsprechenden Social-Media-Plattformen präsent und lade dort zu Deinen Angeboten ein.
  2. Lieber weniger, dafür aktuell. Achte darauf, dass dort, wo ihr online vertreten seid, die Infos aktuell sind. Das gilt besonders für die ersten Wochen und Monate, in denen sich erfahrungsgemäß die meisten neuen Leute einladen lassen. Es geht nicht darum, auf möglichst vielen Kanälen präsent zu sein, sondern dort, wo ihr zu finden seid, wirklich aktuell zu sein. Hab dabei im Blick, dass es häufig vor allem die Eltern sind, die an die wichtigsten Infos kommen müssen.
  3. Hol Dir Verstärkung. Social Media muss nicht jede:r können, aber fast überall gibt es jemanden, die oder der es kann. Wenn Instagram und Co. nicht Deine Welt sind, finde jemanden aus Deinem Umfeld, die oder der das übernimmt. Spanne hier ganz bewusst junge Ehrenamtliche aus der Zielgruppe mit ein.

    Tipp dazu: Social Media Haus für Kirche

Programm, das trägt

  1. Unterschätze Musik nicht. Unterschätze Musik nicht. Musik verbindet, öffnet Herzen und schafft in Sekunden eine Atmosphäre, für die es sonst viele Worte bräuchte. Worship kann all das sein, ist aber mehr als nur Musik: Worship schafft eine Begegnung mit Gott. Dabei geht es weniger um Performance und Technik als um Beziehung: um einen Raum, in dem junge Menschen zur Ruhe kommen und Gott erleben, eine Begegnung die trägt. So wird Musik vom bloßen Programmpunkt zu einem echten Berührungspunkt.
    Tipp dazu: Mehr als Musik – Was ist Worship
  2. Lerne Methoden, die Geschichten lebendig werden lassen. Ob Konfi-Gruppe oder Kinderkreis: In den ersten Minuten entscheidet sich, ob die Gruppe wirklich hinhört oder nur höflich still ist. Der Bibliolog ist zum Beispiel eine strukturierte Methode, die biblische Texte ins Gespräch bringt. Du liest den Text vor, lädst die Teilnehmenden ein, in eine biblische Figur zu schlüpfen, und lässt sie aus deren Perspektive sprechen. Was zwischen den Zeilen liegt, was Petrus dachte, was Maria fühlte, was der Verlorene Sohn auf dem Weg nach Hause hoffte, wird plötzlich Teil des Gesprächs.
    Tipp dazu: alle Bibliolog-Kurse im Studienzentrum
  3. Plane Dein Programm so, dass es viele unterschiedliche Persönlichkeiten einschließt. Jugendgruppen, Konfi-Camps oder Jugendfestivals sollen Räume sein, in denen junge Menschen zur Ruhe kommen, sich begegnen und etwas erleben. Für neurodivergente Jugendliche — etwa mit ADHS, Autismus-Spektrum oder besonderer sensorischer Verarbeitung — wird dieser Anspruch oft zur Belastung: zu laut, zu eng getaktet, zu unvorhersehbar. Gestalte Räume, Abläufe und Programme so, dass sie für alle tragfähig sind.
    Tipp dazu: Fortbildung „Mehr als laut und bunt“ -Jugendmaßnahmen neurodivergenzsensibel gestalten

Da sein und zuhören

  1. Weniger Programm bedeutet manchmal mehr Begegnung. Packe das Programm nicht zu voll, damit Du genügend Raum und Kapazität für die Begegnungen dazwischen hast — egal ob mit Ehrenamtlichen oder Teilnehmer:innen. Oft sind es die kleinen Momente beim Aufräumen oder zwischen den Programmpunkten, die einladen, tiefer ins Gespräch zu kommen.
  2. Erste Hilfe in seelischer Not. Habe nicht nur den Verbandskasten für körperliche Verletzungen bereit. Achte darauf, dass in Deinem Team immer Mitarbeiter:innen dabei sind, die auch in seelischer Not Erste Hilfe leisten können. So wie Du bei einem Unfall nicht selbst operierst, sondern hilfst, bis Rettung da ist, kannst Du bei einer seelischen Krise da sein, zuhören und den Weg zu professioneller Hilfe ebnen. Dafür brauchst Du kein Studium, sondern nur ein bisschen Wissen und den Mut, hinzuschauen.
  3. Kenne Deine Grenzen. Psychische Erste Hilfe ersetzt keine Therapie und keine Diagnostik. Aber sie kann entscheidend sein: Sie reduziert den akuten Leidensdruck und gibt Betroffenen das Gefühl, gesehen zu werden und nicht allein zu sein.

    Tipp dazu: HSN – Helfen in seelischer Not