Wie Social Media keine Option bleibt, sondern zu unserem Auftrag wird

Von Pfarrerin Anna Bamberger & Max Wagner (Wirkstatt evangelisch)

Glaube ist immer dort, wo Menschen sind. Spiritualität lässt sich nicht abstellen. Sie erinnert an unsere Atmung. Man kann tiefe, bewusste Atemübungen machen. Aber man atmet auch dann, wenn man gar nicht daran denkt. So ist das mit dem Glauben. Er spielt überall eine Rolle, wo Menschen sind. Darum lautet auch einer der wichtigsten Leitsätze der evangelischen Kirchen: Hin zu den Menschen. So gibt es mittlerweile auch in Deutschland die unterschiedlichsten Formen von Kirche.1 Während Kirchenräume nicht mehr nur für klassische Gottesdienste genutzt werden, sondern auch als Tanz- oder Workshopfläche, findet auch außerhalb der klassischen Räume kirchliche Arbeit statt. Jugendliche, denen Kirche in ihrem Umfeld, in der Schule oder an den Jugendtreffpunkten in der Stadt begegnet, prägen bereits die kirchliche Landschaft. Kirche ist dort, wo die Menschen sind. Doch wie ist das mit dem digitalen Raum?

Community Management und Beziehungsarbeit in der Gemeinde

Dass sich Menschen heute häufig auf sozialen Medien finden lassen, ist keine Überraschung mehr. Trotzdem ist es für manche unerwartet, was passiert, wenn man beginnt, auf Instagram über Glauben, Alltag und Kirche zu sprechen. Online entstehen genauso echte Gemeinschaft, Seelsorge und Beziehungen wie in der Gemeindearbeit. Menschen bewegen sich heute selbstverständlich zwischen analogen und digitalen Räumen und begegnen dort auch Kirche. Viele, die kirchlichen Content konsumieren, sind gleichzeitig aktive Gemeindeglieder.

Und doch: Social Media erreicht auch jene, die den Weg in die Ortsgemeinde längst nicht mehr gehen.2 Der digitale Raum wird für sie zu einem Ort der Zugehörigkeit. Das ist eine riesige Chance für die Mitgliederbindung der Kirche, wenn sie genutzt wird.

Dabei ist im Community Management erstaunlich vieles ähnlich wie in der klassischen Gemeindearbeit. Menschen suchen Austausch mit Gleichgesinnten, Spiritualität und eine Community, die zu ihnen passt. Online finden sie diese oft schneller, weil Gleichgesinnte nur einen Klick statt einer langen Autofahrt entfernt sind. „Kirche sein” verändert sich dadurch nicht im Kern. Die Botschaft bleibt gleich, aber die Wege, wie sie Menschen erreicht, werden vielfältiger. Auch hier darf man sich ausprobieren, Erfahrungen sammeln und immer wieder neue Schwerpunkte legen. Die Sorge, dass digitale Räume die Verbindlichkeit kirchlicher Gemeinschaft schwächen, ist dabei kein rein digitales Problem. Damit beschäftigen wir uns in den Ortsgemeinden genauso. Wir brauchen dafür analog und digital gute Antworten.

Haltung vor Reichweite

Der größte Irrtum in der kirchlichen Social-Media-Arbeit? Dass es vor allem um Reichweite geht. Was wirklich zählt, ist Engagement. Wie viele Menschen kommentieren, teilen, antworten oder direkt schreiben. Und das entsteht nicht durch perfekt produzierte Inhalte, sondern durch Glaubwürdigkeit. Wer über seinen Glauben spricht, seine Zweifel zeigt und seinen Alltag teilt, der bleibt in Erinnerung.

Digitale Verkündigung beginnt mit der Frage: Was kann ich authentisch anbieten? Nicht damit, was andere machen. Es geht nicht darum, erfolgreiche Influencer:innen zu kopieren oder den Sonntagsgottesdienst eins zu eins ins Digitale zu übertragen. Aber der Ausgangspunkt ist oft derselbe: Themen und Fragen, die einen im Arbeitsalltag beschäftigen, lassen sich häufig auch digital erzählen. Dabei ist es wichtig, einen eigenen Stil zu entwickeln, der zu einem passt. Wenn dieser klar ist, helfen Tools und Methoden dabei, diese Inhalte so zu zeigen, dass sie die Menschen erreichen, für die sie gedacht sind.

Wer öffentlich über Glauben spricht und auch seine Haltung zeigt, braucht allerdings auch einen Plan für Gegenwind. Im digitalen Raum ist Kritik schneller, einfacher und oft auch anonymer als im Kirchenraum. Heftige Kritik oder Hass trifft die meisten Accounts nicht täglich, aber wenn es passiert, braucht es einen professionellen Umgang. Selbstschutz und Selbstfürsorge im digitalen Raum brauchen einen klaren Plan, der stehen muss, bevor etwas passiert. Dabei ist vor allem der Austausch mit anderen Creator:innen besonders wertvoll.

Gewusst wie statt nebenbei

Social Media ist kein Trend, den die Kirche noch beobachten kann. Social Media ist ein Auftrag der Kirche. Aber der Blick in die Praxis zeigt, wie der Arbeitsalltag häufig wirklich aussieht. Viele Haupt- und Ehrenamtliche stehen unter hohem Druck: weniger Ressourcen, immer mehr Aufgaben und Social Media soll irgendwie nebenbei noch mitlaufen. Die Motivation ist da, aber es fehlen Zeit, ein konkreter Ansatz und die richtigen Informationen. So wird aus Social Media schnell eine Aufgabe, die den vorgegebenen Zeitrahmen sprengt.

Viele denken, sie müssten alles allein stemmen. Dadurch entsteht Überforderung. Wenn wir Wissen teilen und über Gemeinde- oder Dekanatsgrenzen hinweg zusammenarbeiten, erleichtert das unsere Arbeit und wir erreichen Menschen zudem viel wirkungsvoller. Gerade in der Landeskirche macht häufig jeder sein eigenes Ding. Es gibt keine abgestimmte Social-Media-Strategie. So können wir aber nicht gegen Player mit großen Mediabudgets bestehen.

Fachwissen im Bereich Social Media sorgt dafür, dass aus dem „nebenbei“ ein Arbeitsbereich mit Struktur und Selbstbewusstsein wird. Und der regelmäßige Austausch in einer Community hilft, nicht allein weiterzumachen, sondern gemeinsam besser zu werden.

Nur wer die Plattformen wirklich versteht, tritt mutig und authentisch auf und erreicht Menschen dort, wo sie sind.
Wenn wir das nicht tun, erzählen andere unsere Geschichte.


Social Media Haus

Genau hier setzt das Social Media Haus an. Die modulare Weiterbildung qualifiziert Menschen im kirchlichen Umfeld dazu, Social Media professionell, authentisch und zielgruppenorientiert zu gestalten. Egal ob hauptamtlich, ehrenamtlich oder freiberuflich tätig.
Du startest mit dem Grundlagenmodul „Set Up“ und wählst danach die Vertiefungen, die zu dir und deinem Auftrag passen. Von Account Identity über Content Creation und Faith Communication bis hin zu Community-Strategie und KI-Tools. Jedes Modul endet mit einem Praxisprojekt, das du direkt in deinem Kontext umsetzt. Kein Theorie-Überfluss, sondern Ergebnisse, die du sofort nutzen kannst.

Wer Set Up und drei Vertiefungsmodule absolviert, erhält das Zertifikat „Social Media Manager:in im kirchlichen Umfeld“. Wer dranbleiben will, findet in den halbjährlichen Community Treffen einen Ort für Austausch, Vernetzung und neue Impulse.

Das Social Media Haus ist dein Zuhause für kirchliche Social-Media-Arbeit. Zum Einziehen, Wachsen und Zurückkehren.

Mehr zu den Referent:innen

Anna Bamberger ist Pfarrerin in Würzburg und im Internet. Auf instagram hat sie begonnen mit dem Motto “einfach mal machen, könnte ja gut werden!”. Schnell wurde aus dem Experiment ein Dienstauftrag bei den sæleuten und die einjährige Weiterbildung für “social media in Kirche und Diakonie” der yeet-masterclass. Mit kreativer Neugier und fundierten Wissen probiert sie aus, wie Gemeinde auch im Internet funktionieren kann. 

Max Wagner ist Social Media Referent bei der Wirkstatt evangelisch (Amt für Jugendarbeit der Evangelisch-Lutherischen Kirche in Bayern) und leitet in Kooperation mit dem Studienzentrum Josefstal u.a. die Weiterbildung “Social Media Manager:in”.

  1. Weitere Infos und Beispiele z.B. in Ausgabe 1/26 das Baugerüst zum Thema Kirche ↩︎
  2. Ev. Arbeitsstelle midi, Studie Digitale Communities, https://www.mi-di.de/publikationen/digitale-communities ↩︎